30 Jahre Kunststiftung NRW


 

 

Das Land Nordrhein-Westfalen ist eine der dichtesten und vielfältigsten Kulturlandschaften Europas. Einen wichtigen Anteil an diesem kulturellen Reichtum der Region hat die Künstler- und Projektförderung der Kunststiftung NRW.


2019 feiert die Kunststiftung NRW ihr 30-jähriges Bestehen. In diesen vergangenen 30 Jahren begleitete sie über 7650 Projekte und mehr als 3500 Künstlerinnen und Künstler bei der Realisierung ihrer künstlerischen Vorhaben. Immer war es das Ziel, das Besondere zu stärken und neue Räume ästhetischer Erfahrung zu öffnen. So sind nicht nur viele herausragende Kunstwerke entstanden. Es sind auch viele zukunftsfähige Fördermodelle für eine Kunst von morgen entwickelt worden.


Ein Weg, der zum Experiment ermutigt und auf das Unerwartete setzt. Wohin er führen kann, wird in diesem Jahr anhand einer Auswahl an herausragenden Projekten der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese 30 Projekte aus der Visuellen Kunst, den Performing Arts, der Musik und der Literatur zeichnet die Kunststiftung im Rahmen einer besonderen Förderung mit ihrem Jubiläumslogo aus und stellt sie in den Vordergrund. Wir gratulieren unseren Förderpartnern für ihre engagierte Arbeit und laden Sie alle herzlich ein, mit uns unser Jubiläum zu feiern!


Fritz Behrens, Präsident Kunststiftung NRW

Ursula Sinnreich, Generalsekretärin Kunststiftung NRW

 



Die Kunststiftung NRW 

1989 von der Landesregierung unter Ministerpräsident Johannes Rau als Stiftung für Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen errichtet, unterstützt die Kunststiftung NRW herausragende künstlerische Positionen und Projekte. Projekte, die sich durch programmatische Besonderheiten und Impuls gebende Konzepte auszeichnen und einen engen Bezug zu Nordrhein-Westfalen aufweisen. Ausstellungen, Konzerte, Tanzaufführungen, Theaterinszenierungen, Lesungen und Werkaufträge gehören dazu. Auch die Förderung besonders begabter junger Künstlerinnen und Künstler und des internationalen Kulturaustausches gehören zu den zentralen Aufgaben der Stiftung.


 

Das Ziel der Förderung: Kulturelle Vielfalt

Die Kunststiftung sichert durch ihre Förderung die kulturelle Vielfalt des Landes. Sie arbeitet im engen Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern und Kulturschaffenden an der Kunst der Zukunft. Durch ihr breitgefächertes Netzwerk in alle Kunstsparten verfügt sie über einzigartige Kenntnisse von künstlerischen Prozessen und Rahmenbedingungen künstlerischer Produktion, die sie den Medien, der Politik und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Sie ist damit Motor der Weiterentwicklung, national wie international. Sichtbar wird dieser Anspruch durch weltweite Kooperationsprojekte, deren Impulse in die Kulturlandschaft NRW zurückfließen.


 

Die Kriterien der Förderung: Qualität in Kunst und Kultur

Die Stiftung fordert mit ihrer Förderpolitik zu mehr Wagnis und Qualität in Kunst und Kultur heraus. Ein wesentliches Auswahlkriterium bei Förderentscheidungen sind die künstlerische Qualität sowie die innovative Konzeption des Projektes. Dabei stehen individuelle Fördermaßnahmen und die Unterstützung experimenteller Konzepte gleichberechtigt neben künstlerischen Großprojekten. Die Förderung der Kunststiftung zielt insbesondere auf die nachhaltige Weiterentwicklung der künstlerisch herausragenden Qualität und Wirkung von Kunst sowie auf die Stärkung ihrer überregionalen und internationalen Ausstrahlungskraft.


 

Die Vorteile der Förderung: Teil eines starken Netzwerks

Die Kunststiftung NRW versteht Förderung als einen entwicklungsorientierten Prozess, in dem der direkte Kontakt und die permanente Kommunikation mit Künstlerinnen und Künstlern, Vertretern aus Kultureinrichtungen und Kulturpolitik eine wichtige Rolle spielen. Durch Veranstaltungen von Diskussionsforen bietet sie sich als Ort der Begegnung und des Austausches an. Sie fördert auf diese Weise die Anerkennung der kreativen Kraft der Kunst, unterstützt den Mut zur Veränderung und fordert zum Nachdenken über das Neue und Andere heraus. Das Unmögliche möglich machen heißt, die Bedeutung der Kunst für die gesellschaftliche Entwicklung der Zukunft zu stärken und zu sichern.




Literatur:


Triumph der Farben

Der Autor und frisch gekürter Ernst Jandl-Preisträger Oswald Egger mit Lesung und Performance zu Gast in der Kunststiftung NRW: 4. Juli 2019, 19 Uhr

 


Mit dem aus Südtirol stammenden Dichter Oswald Egger bewohnt nach Thomas Kling ein weiterer bedeutender Lyriker die ehemalige Raketenstation Hombroich bei Neuss. Der Südtiroler – einer der wichtigsten experimentellen Dichter der Gegenwart – gehört zu den großen Ausnahmeerscheinungen in der deutschsprachigen Literaturszene. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich als Querdenker mit der Verbindung von Mathematik und Poesie. Seine Bücher versteht er als Objekte, die er auch selbst gestaltet. Oswald Egger ist seit Mitte der 1990er-Jahre eine fixe Größe der deutschsprachigen Literatur und hat mit Büchern wie „Herde der Rede“, „Nichts, das ist“, „Die ganze Zeit“ und „Val di Non“ einen bedeutenden Beitrag zur modernen Dichtung geleistet. Egger schloss 1992 sein Studium der Literatur und Philosophie in Wien ab. Gedichte von Egger wurden bis heute ins Französische, Englische und andere Sprachen übersetzt. Seit 2011 ist er Inhaber der neu geschaffenen Professur „Sprache und Gestalt“ an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, 2013 hatte er für zwei Semester die Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW an der Universität Bonn inne.


Am 29. Juni wurde Egger zudem mit dem Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2019 ausgezeichnet, einem der international renommiertesten deutschsprachigen Lyrik-Preise. Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt (Auszug): „Die Jury zeichnet Oswald Egger als Dichter aus, der mit diskreter Stetigkeit die Möglichkeit erforscht, sich und uns das Unmögliche vorzustellen: die ganze Zeit in ihrem wörtlichen Zusammenhang und welches Bewenden es darin mit dem Menschen hat. … Sein jüngstes Buch ‚Triumph der Farben‘ versucht, mit der Verwandlung von Buchstaben in Farbtöne der Vergänglichkeit Paroli zu bieten und so auch dem Los zu entgehen, sich selbst in unendlicher ‚Selbstschraffur‘ ausmalen zu müssen. Oswald Eggers schöpferischer Witz eröffnet dem Menschenwurm, der sich durch das Erdreich der Rede hindurchfrisst, den Raum der Schönheit.“


Umso mehr freut sich die Kunststiftung NRW, Oswald Egger am 4. Juli 2019 im Haus der Stiftungen zu Gast zu haben. Egger präsentiert „Triumph der Farben“ im Gespräch mit dem Literaturkritiker Hubert Winkels.


Anmeldungen: antwort@kunststiftungnrw.de



Musik/Musiktheater:


Internationales Peter Eötvös Institut – zwei Musik-Stipendien



Péter Eötvös (geb. 1944 in Székelyudvarhely, damals Ungarn, heute Rumänien) ist ein bedeutender ungarischer Komponist und Dirigent, der bis heute vielfältig in Deutschland gewirkt hat. Seine Verbindung zu Nordrhein-Westfalen begann 1966 mit einem Stipendium für ein Dirigierstudium an der Kölner Musikhochschule. Von 1968 bis 1976 schloss sich eine Zusammenarbeit mit dem Ensemble von Karlheinz Stockhausen an. Von 1971 bis 1979 war er Mitarbeiter am Studio für Elektronische Musik des WDR in Köln.

Später begann seine internationale Karriere: Von 1979 bis 1991 war er auf Ruf von Pierre Boulez musikalischer Leiter des Ensemble intercontemporain. 1991 gründete er das Internationale Eötvös Institut für junge Dirigent*innen und Komponist*innen in Budapest. 

Durch die Förderung von zwei Stipendien soll die von dem großen ungarischen Komponisten und Dirigenten gegründete Stiftung für Zeitgenössische Musik eine besondere Würdigung erfahren. Herausragende musikalische Produktionen und Aufführungen waren schon immer ein Schwerpunkt in der Förderpraxis der Kunststiftung NRW, die sich als Befürworterin und Begleiterin von Dirigier- und Kompositionsseminaren versteht, um neben der Vermittlung des zeitgenössischen Repertoires neue Wege des heutigen künstlerischen Schaffens aufzuzeigen.


Als Stipendiaten hat die Stiftung Péter Tornyai und Balázs Futó ausgewählt.

Das Konzert beider Stipendiaten wird am 1. Dezember 2019 im Budapest Music Center, Ungarn, und am 23. Januar 2020 im Balassi Institut – Collegium Hungaricum in Berlin aufgeführt werden.



Martin Ambara / OTHNI-Laboratoire de Théâtre de Yaoundé , Sawtche Baartman, Szenenfoto, Foto: Nils Voges



Performing Arts:


New Na(rra)tions

Ringlokschuppen Mülheim an der Ruhr, Februar bis Dezember 2019



Mit seiner internationalen Reihe „New Na(rra)tions“, die von Februar bis Dezember 2019 in Form von Koproduktionen und Gastspielen stattfindet, widmet sich der Ringlokschuppen der Produktion, Präsentation und Vermittlung neuer Erzählformen im Gegenwartstheater. Die Reihe bildet zugleich den Auftakt für eine umfassende Neupositionierung des Hauses. Ein erstes Ziel ist es, durch Workshops, Übersetzungen und Übertitelungen ins Abrabische, Englische und Französische die gezeigten Produktionen einem größeren Publikum zugänglich zu machen.


Ein weiteres Ziel ist die Verknüpfung der Wissensproduktion zwischen den internationalen Künstler*innen und den am Ringlokschuppen arbeitenden Künstler*innen aus NRW. Dazu dienen interdisziplinäre Workshops, Vorträge und spezielle Residenzformate der Begegnung rund um die Programmreihe: Ausgehend von diesen Erfahrungen sollen auch zukünftig neue Formen und Formate für transkulturelle Kooperationen entwickelt werden.



© 5x10, raumlaborberlin, 2019, Installation Haus Lange, Kunstmuseen Krefeld



Visuelle Kunst:


Anders Wohnen

Kunstmuseen Krefeld, seit März 2019



Zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses geben die von Ludwig Mies van der Rohe erbauten Häuser Lange und Esters in Krefeld Anstoß für interdisziplinäres Denken und praktisches Gestalten. Das ganzjährige Projekt „Anders Wohnen“ stellt mit 16 internationalen Künstler*innen die Überlegungen an: Wie wollen wir wohnen, wie können und müssen wir wohnen, heute und in der Zukunft? Welche Formen des Zusammenlebens sind denkbar? In einem experimentellen Raum zwischen Ausstellung und lebendigem Dialog wagen die Kunstmuseen Krefeld einen Schritt in die Zukunft der künstlerischen Produktion.


Zugleich verwandeln sich die – damals utopisch gedachten – Villen Ludwig Mies van der Rohes in ein prozessuales Kulturforum für eine aktive Teilnahme. Die gesellschaftliche Vision des Bauhaus-Gedankens, der vor 100 Jahren formuliert wurde und heute so aktuell wie damals ist, soll einen internationalen Diskurs für den einzig authentischen Bauhaus-Ort in NRW initiieren: So entsteht z.B. im Garten der Häuser Lange und Esters ein neuer Gartenpavillon. Die amerikanische Künstlerin Andrea Zittel (geb. 1965 in Kalifornien) widmet sich mit ihrem einzigartigen Unit-Concept der nachhaltigen Nutzung von Wohnraum und hinterfragt die globalen Lebensentwürfe. Ein von der Kunststiftung NRW initiiertes Interview mit Bildstrecke wirft ein besonderes Schlaglicht auf die ortsspezifische Arbeit der bekannten amerikanischen Künstlerin in Krefeld.


Aktueller Termin: Eröffnung von „Akt 2: Mobilität“ am 7. Juli 2019 um 11.30 Uhr in Haus Esters, Krefeld



Impulse Theater Festival_Markus Öhrn, Domestic Violence



Performing Arts:


Das Impulse Theater Festival 2019 in Düsseldorf

mit dem Satellitenprojekt „Angstraum Köln“ im Kölner Stadtraum, 14. bis 23. Juni 2019



Das internationale Impulse Theater Festival präsentiert im jährlichen Rhythmus in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen (seit 2015 in Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr) bedeutende Produktionen der freien Theaterszene aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es ist zu einer wichtigen Plattform des unabhängigen, experimentellen Theaters geworden. Später erfolgreiche Künstler*innen und Gruppen wie René Pollesch oder Rimini Protokoll wurden hier erstmals einem breiteren Publikum vorgestellt.

2019 fand das Theater-Festival in Düsseldorf statt – mit einem Satellitenprojekt in der rheinländischen Nachbarstadt: In dem außergewöhnlichen, themen- wie ortsspezifisch entwickelten Projekt „Angstraum Köln“ legen vier Künstler*innengruppen den Finger in die Wunde der Kölner Stadtgesellschaft.



Nil Yalter, Exile Is a Hard Job / Walls, 2018, Acryl auf Offset-Druck im öffentlichen Raum Wetzlarer Straße, Köln, Kalk © Nil Yalter, Foto: Henning Krause



Visuelle Kunst:


Nil Yalter. Exile Is a Hard Job

Museum Ludwig Köln, 8. März bis 2. Juni 2019



Mit viel Besucherzuspruch und einem großen Medienecho erfolgreich zu Ende gegangen: Die Ausstellung der Künstlerin Nil Yalter (geb. 1938 in Kairo) im Museum Ludwig in Köln. Nil Yalter macht auf eindrückliche, poetische Weise die Notwendigkeit einer Kommunikation zwischen verschiedenen sozialen und gesellschaftlichen Gefügen deutlich. Ihre große Kölner Einzelschau „Exile Is a Hard Job“ würdigte ihre Arbeit erstmals hierzulande in einem größeren Umfang.


Zum einen hat die Schau der türkisch-stämmigen und in Paris lebenden Künstlerin die Rolle der Frau als Migrantin in den Industriestaaten Europas künstlerisch beleuchtet. Zum anderen zeigte das Projekt eine starke Position der Feminist Art seit den 1960er-Jahren. So hat Nil Yalter für Köln in Zeiten eines aufkeimenden Nationalismus in Europa die Perspektiven von Migration und Fremdheit herausgestellt.

Vom 22. Juni bis zum 18. Oktober 2019 ist die Schau auf ihrer zweiten Station, im CCS Bard, Hessel Museum of Art in den USA zu sehen.



> Interview mit der Künstlerin Nil Yalter



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