MOVE!


Foto: Autoctonos II, Garry Platt
 
 

Seit 1994 lädt das Kulturbüro der Stadt Krefeld ein, mit den Krefelder Tagen für modernen Tanz „MOVE!“ zeitgenössischen Positionen aus der Tanzszene NRWs und aus einem Gastland im Kulturzentrum Fabrik Heeder zu begegnen – in diesem Jahr zum 18. Mal.


Zum diesjährigen Festival, das vom 12. Oktober bis zum 23. November stattfindet, wurden sieben aktuelle Produktionen aus Nordrhein-Westfalen eingeladen. Den Länderschwerpunkt bildet in diesem Jahr Belgien mit Gastspielen von drei beeindruckenden Compagnien. 


Aus Nordrhein-Westfalen wird die in Köln beheimatetet Emanuele Soavi incompany – in Ergänzung zu ihrer Präsentation im Rahmen des Kulturbüro-Formates „MOVE! in town“ im Sommer diesen Jahres in Krefeld – mit ihrer neuen Kreation „Invasion“ zu sehen sein. Diese entstand im Rahmen des Jacques-Offenbach-Jahres 2019. Offenbach und Elektronik, zeitgenössischer Tanz und Mode, Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Unterhaltung – all das trifft in „Invasion“ aufeinander und wird zu einer lustvoll-exaltierten Performance.

CocoonDance aus Bonn begibt sich in „GHOST TRIO B. – corps multiples“ gemeinsam mit den Zuschauer*innen auf die elementare Suche nach dem unbegreiflichen Körper. Die Gespenster sind Performer*innen und Zuschauer*innen gleichermaßen. Zu erleben ist nicht nur eine reine Tanzaufführung, sondern auch ein sinnliches Spiel mit der eigenen Wahrnehmung und den Dimensionen von Raum, Zeit und Klang.

Die Unmöglichkeit, den eigenen Körper zu verlassen (Foucault), zwingt die beiden Tänzer, des Kaiser Antonino Dance Ensembles, Duisburg, in „L'état des choses“ des je anderen Spiegel zu sein. Daraus entstehen Momente urkomischer Absurdität und berührender Fragilität.

Die Kölner Choreographin Julia Riera lotet in „MIRA 7_Thuley“ feinfühlig Grenzen und Begrenzungen aus. Drei professionelle Tänzer*innen und zwei tanzbegeisterte Jugendliche aus Afghanistan machen das Gefühl der Fremde und Isolation spürbar und verkörpern die Unruhe, die dem Wunsch nach und der Furcht vor Stille und Verbundenheit innewohnt. Eine vielschichtige Inszenierung von hoher Sensibilität und intensiver Bildsprache, die mit dem Kölner Tanztheaterpreis ausgezeichnet wurde.

Die Tchekpo Dance Company aus Bielefeld wird mit dem virtuosen Duett „BetrAchtung“ zu Gast in der Fabrik Heeder sein und Tchekpo Dan Agbetou präsentiert zudem mit seinem von ihm beeindruckend interpretiertem Solo „Pour Miles D.“ eine Hommage an den großen Jazzmusiker und Komponisten Miles Davis.

Mit ihrer Produktion „Papierstück“ wendet sich die Kölner Choreographin Barbara Fuchs mit einem „Tanzkonzert für Schaulustige von 1 - 99 Jahren“ einem intergenerationellen Publikum zu: Kinder und Erwachsene sind gleichermaßen zu diesem humorvollen Duett eingeladen.

Mit ihrer jüngsten Arbeit „The well in the lake“ erzählen die Choreographen Julio César Iglesias Ungo und Helder Seabra vom ewigen Kreislauf aus Schöpfung und Scheitern. Ungo und Seabra sind beide ehemalige Tänzer der Compagnie Ultima Vez von Wim Vandekeybus und für ihren energetischen, unberechenbaren Stil bekannt. Sie werden an diesem Abend musikalisch live begleitet von den Musikern Christoph Heinze aka Inhalt der Nacht und Stijn Vanmarsenille.


Aus Belgien werden in Krefeld die Compagnie Giolisu, die Choreographin Ayelen Parolin und ihr Ensemble sowie die Anton Lachky Company begrüßt.

Die Compagnie Giolisu reflektiert in ihrer Arbeit immer wieder gesellschaftspolitische Realität in einer poetischen Weise und mit der kraftvollen choreographischen Handschrift der Choreographin Lisa Da Boit. Mit „Il Dolce Domani“ gestaltet die Compagnie am 12. Oktober den Auftakt des Festivals.

Ayelen Parolin, eine Choreographin, die Festivals und Säle in ganz Europa mit ihren Kreationen über Verhaltensmuster und das Animalische im Menschen erobert, beleuchtet in „Autóctonos II“ was es heißt, Teil einer Gruppe zu sein und trifft damit wieder einmal einen Nerv der Zeit.

Zum Abschluss des Festivals ist die belgische Produktion „Ludum“ von Anton Lachky zu erleben. Anton Lachky’s  einzigartige Arbeitsmethode Puzzle Work beruht auf dem Organisieren und Umorganisieren individueller Bewegung und öffnet die Tür zu einer schier endlosen Vielfalt von Variationen. Mit „Ludum“ präsentiert Lachky eine faszinierende Tanzperformance von beeindruckendem Tempo und hoher Präzision.


Ein umfangreiches Rahmenprogramm rundet das Programm ab: Einführungen, Publikumsgespräche, eine Physical Introduction, ein Tanzfilmprogramm, eine Installation, ein Tanzworkshop, das Format tanz.backstage, ein musikalischer Ausklang zum Festivalende.


Ein kleines Highlight mag dabei die Filminstallation von Mark Sieczkarek, Choreograph und ehemals Ensemble-Mitglied im Tanztheater Pina Bausch, und Kai Fobbe, Wuppertaler Videokünstler, sein. Sie realisierten den Tanzfilm „Malou & Dominique“, der nun in vielen Städten im öffentlichen Raum gezeigt wird. Im Rahmen des Festivals „MOVE!“ wird die Installation ab dem 12. Oktober in der Eingangshalle des Krefelder Hauptbahnhofs und im Innenhof und den Foyers der Fabrik Heeder zu erleben sein.


Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr bietet „MOVE!“ auch wieder einen Tanzworkshop für Menschen ab 55 Jahren an. Für die Leitung konnten erneut Mitsuru Sasaki und Hanna Agurski gewonnen werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, es geht um die Freude an der Bewegung.


Ein Tanzfilmprogramm der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen zeigt unter dem Titel „Tanz!“ in einem rund 70minütigen Programm zehn Tanzfilme, die zwischen 1999 und 2019 entstanden sind.

Neben den verschiedenen Gesprächs- und Vermittlungsformaten lädt das Format „tanz.backstage“ zu einem Blick hinter die Theaterkulissen ein. Sowohl junge als auch erwachsene Zuschauer*innen sind eingeladen, auf der Bühne der Fabrik Heeder Proben und den technischen Aufbau zu verfolgen, mit Künstler*innen und Bühnentechniker*nnen ins Gespräch zu kommen und so mehr über Tanz zu erfahren.

Text: Move!


Weitere Informationen zum Programm finden Sie >> hier
 
 

Foto: CocoonDance, GHOST TRIO B - corps multiples,Deutschlandpremiere 19.1.2018

 
 
Gefördert durch die Kunststiftung NRW und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. „MOVE!" erfährt außerdem eine Unterstützung durch die Mittelzentrenförderung Tanz und Performance des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW für die Fabrik Heeder.



Programm MOVE!