Taten des Lichts: Mack & Goethe
im Goethe-Museum, Düsseldorf


Heinz Mack, Ohne Titel, nach einer Vorlage von Goethe, 1991, Pastellkreide und Sprühfarbe auf Bütten, 76,5 x 111 cm, Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2017



Für die Ausstellung „Taten des Lichts: Mack & Goethe“ hat der Leiter des Goethe-Museums Düsseldorf, Christof Wingertszahn, den umfangreichen Sammlungsbestand ins Depot verlagert, Teile des Museums wurden gar grundlegend umgebaut und saniert. Die von Barbara Steingießer kuratierte Sonderausstellung bringt etwa 80 Werke von Heinz Mack mit ausgewählten Sammlungsbeständen des Goethe-Museums Düsseldorf sowie mit Leihgaben des Goethe-Nationalmuseums Weimar zusammen. Einen Zeitraum von über 250 Jahren umspannend, werden hierbei Strukturähnlichkeiten und Korrespondenzen zwischen den Werken von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Heinz Mack (*1931) zur Disposition gestellt und über ihre je spezifische Erschließung von Materialität, Form, Zeit und Raum hinweg Facetten des freien Denkens eröffnet. Christina Irrgang traf Heinz Mack zu einer Vorab-Betrachtung der Ausstellung, die am 04. März 2018 eröffnet wird.


 

Betrachtung mit Heinz Mack

 


Irrgang: Wir befinden uns im Ausstellungsraum „Mack und Goethe – Inspiration Orient“: Was sind Ihre Bezugspunkte zu Johann Wolfgang von Goethe?


Mack: Goethe, wie auch der Orient, beschäftigte mich immer wieder in meiner Arbeit und reicht weit zurück in meinem Werk. Hierunter fällt die Bezugnahme zu Goethes Gedichtsammlung „West-oestlicher Divan“ (1819), aus der ich 1999 im Rahmen der Ausstellung „Europa, wie es Goethe sah“ ein Künstlerbuch entwickelt habe, das damals im Goethe-Museum Düsseldorf präsentiert wurde und auch diesmal Teil der Ausstellung ist. Der damalige Direktor des Museums begleitete mich auf einer Reise nach Teheran. Dort, wie auch in Istanbul, hat meine Arbeit sehr große Resonanz erfahren. Ein Ausstellen in dieser Form wäre vor den aktuellen politischen Hintergründen dort nicht mehr möglich.

Die Ausstellung „Taten des Lichts“ nun ist eine andere Ausnahmesituation: Es ist eine Ehre für mich, die Gastfreundschaft des Goethe-Museums in Düsseldorf erfahren zu dürfen, und mein Werk mit der Vielfalt Goethes anhand ausgewählter Exponate der Sammlung in Bezug zu sehen. Diese Ausstellung ist für mich eine virtuelle Begegnung mit Goethe – sie berührt eine spirituelle Dimension, wie die Auseinandersetzung mit der Kunst des Orients, die für Goethe noch in hohem Alter von Bedeutung war und auch für mich wesentlich ist. Goethe aber schwebt über allen irdischen Dingen: wenn in diesem Sinn Goethe der Parnass ist, so bin ich der Fußgänger in Delphi. Diese 400 Meter, die dazwischen liegen, muss man respektieren.


Irrgang: Die Architektur des Museums – Schloss Jägerhof – ist im Stil des Barock errichtet. Wie interagieren Sie mit dem Raum und der Besonderheit des Ortes?


Mack: Wenn Sie aus dem Fenster des 1. Stocks schauen, sehen Sie die Antwort. Alle Straßenachsen und somit Blickachsen laufen auf das Schloss zu, es ist nach absolutistischem Vorbild ausgerichtet. Ich habe diese besondere Situation zum Anlass für eine ganz neue skulpturale Installation genommen: ein Farbturm auf dem Vorplatz des Museums. Hier entsteht gerade eine leiterartige Säule, an deren Sprossen farbige Tücher oder Flaggen befestigt werden. Die Farben sind jenen des Regenbogens nachempfunden und stehen damit natürlich auch in Bezug zu Goethes Farbenlehre. Was mir vor allem aber wichtig ist: Die Stele als Geste der politischen Freiheit. Ich bin dankbar dafür, in einem Land zu leben, in dem Freiheit besteht. Hierin sehe ich auch meine kunstgeschichtliche Verantwortung: diese Freiheit zu vertreten.


Irrgang: Ihre in der Ausstellung präsentierten Werke umfassen Malerei, Skulptur, Fotografie, Zeichnung, kinetische Licht-Objekte, ja nicht zuletzt das Licht selbst. Im Erdgeschoss des Museums sehen wir die aus acht Leinwänden bestehende und zu einer zusammenhängenden rechteckigen Form angeordnete Malerei „Deklination des Mondes – Chromatische Konstellation“ (2005). Ich denke an: Natur, Raum, Licht, Kosmos...


Mack: Dieses Bild habe ich 2006 bei meiner Ausstellung „Transit zwischen Okzident und Orient“ im Pergamon-Museum in Berlin gezeigt, wo es inmitten der kulturhistorischen Exponate nahezu zeitlos wirkte. Es ist für mich ein Hauptwerk meiner Arbeit. Was wir hier sehen, ist schwer zu beschreiben. Die einzelnen Elemente betrachtet: ein minimalistischer roter Kreis auf hellem Grund, dann farbliche Abstufungen, Schwarz auf Schwarz, Finsternisse und Lichtschatten zwischen den Formen, Dynamik kommt unten rechts ins Bild. Im Ganzen: Ein prismatischer Transit.



"Taten des Lichts: Mack & Goethe" eröffnet am 04. März um 11 Uhr und ist bis zum 27. Mai 2018 im Goethe-Museum im Schloss Jägerhof in Düsseldorf zu sehen.

Die Ausstellung wird von der Kunststiftung NRW gefördert.



Johann Wolfgang von Goethe, West-oestlicher Divan, 1819 Titelblatt, Erstausgabe, Geschenkexemplar, Copyright: Goethe-Museum Düsseldorf



Heinz Mack, Ohne Titel, 1971, Collage, 26,2 x 22,6 x 2,3 cm, Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2017



Foto: Barbara Steingießer                                        Foto: Barbara Steingießer



Foto: Barbara Steingießer