Julius Lips, Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln


„Schreckfigur“ (hentakoi) in Gestalt eines englischen Kolonialsoldaten. Solche Figuren wurden auf der asiatischen Inselgruppe vor Häusern zum Schutz vor Unheil aufgestellt, Nikobaren (Asien), 19. Jh., © Rheinisches Bildarchiv Köln, Wolfgang F. Meier



Wie sehr die Perspektive unsere Wahrnehmung bestimmt, zeigt die Sonderausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM): Unter dem provokanten Titel „Der Wilde schlägt zurück“ zeigt das Haus vom 16. März bis 3. Juni 2018 erstmals Darstellungen von Europäern aus dem Blickwinkel der Kolonisierten. Die Ausstellung – eine Kooperation mit der Universität Siegen und kuratiert von Anna Brus (Universität Siegen), Lucia Halder und Clara Himmelheber (RJM) – ermöglicht nicht nur überraschend neue Einsichten in die Kolonialgeschichte, sondern hinterfragt auch festgefahrene Selbst- und Fremdbilder.
Der Ausstellungstitel geht zurück auf das Buch „The Savage Hits Back or The White Man through Native Eyes“, das in den 1930er-Jahren hohe Wellen schlug: Vor den Nationalsozialisten geflohen, publizierte Julius Lips, der Kölner Ethnologe und ehemalige Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums, sein antifaschistisches und antikoloniales Werk im amerikanischen Exil. Er zeigte darin, wie Künstler aus den Kolonien Europäer darstellten, und interpretierte ihre Skulpturen und Zeichnungen als Kritik und Spott am Besatzer. In seiner Arbeit zum „Gegenschlag“ des vermeintlich „Wilden“ und seinen polemischen Deutungen wird der Europäer selbst zum Barbaren.
„Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht dieses Mal der Europäer, so wie er von außer-europäischen Künstlern gesehen und dargestellt wurde“, betont Prof. Dr. Klaus Schneider, Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums. Durch den Wechsel der Perspektive werde der Blick auf Europäer zurückgeworfen. Der Effekt sei auch heute noch verblüffend: sich in den Augen eines anderen zu sehen, kann starre Selbst- und Fremdbilder ins Wanken bringen. Insbesondere vor dem Hintergrund neu aufflammender Nationalismen und der gegenwärtigen Rassismus-Debatte gewinnt Julius Lips Versuch, die Perspektive auf „Fremde“ umzukehren, an Aktualität.

Text: Stadt Köln



Die britische „Queen Victoria“ im Krönungsornat. Der Schnitzer verwendete als Vorlage eine Fotografie, die massenhaft in den Kolonien kursierte, unbekannter Künstler, Yoruba, Nigeria, um 1900, © Rheinisches Bildarchiv Köln, Wolfgang F. Meier                                                         Julius Lips, von 1928-1933 Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums Köln, © Universitätsarchiv Köln


Audio-Beitrag bei Deutschlandfunk Kultur



Ausstellungsdauer: 16. März bis 3. Juni 2018

Rautenstrauch-Joest-Museum

Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln


Die Ausstellung wird von der Kunststiftung NRW gefördert.