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Kunststiftung NRW

Atelier NRW 2018: Nachlese 2019


Treffen im Kloster Steinfeld im Sommer 2018



Atelier NRW steht für Qualität und Förderung schriftstellerischer Arbeit in Nordrhein-Westfalen. Initiiert vom Literarischen Colloquium Berlin (LCB) und vom Kölner Autor und Literaturvermittler Dorian Steinhoff, bot das Atelier von 2015 bis 2017 Jahr für Jahr sechs ausgewählten Autorinnen und Autoren die Möglichkeit, ihre aktuellen Schreibvorhaben kritisch zu prüfen und voranzutreiben. Der vierte Jahrgang löste sich vom eigenen Einzeltext zugunsten der Reflexion von Autor*innenberuf und -tätigkeit: Themen wie "Der Raum im Roman" oder "Die Poetik des biografischen Schreibens" wurden im Sommer 2018 während einer Klausurwoche im Kloster Steinfeld diskutiert.


Anschließend schrieben die Teilnehmenden dazu Essays, die im aktuellen Winterheft der Zeitschrift Sprache im technischen Zeitalter zu entdecken sind, und die im Folgenden durch die Kunststiftung NRW in Auszügen präsentiert werden. Bei einer Nachlese im Literaturhaus Bonn wurden am 21. Januar 2019 die sommerlichen Gespräche in der Eifel zwischen Martin Becker, Joachim Geil, Selim Özdogan, Angela Steidele, Karosh Taha und Julia Trompeter noch einmal aufgegriffen und durch die Moderation von Thorsten Dönges und Dorian Steinhoff in einen Dialog mit dem Publikum gebracht. (Text: Atelier NRW/KS)



Atelier NRW ist eine Initiative von LCB und Dorian Steinhoff, Köln, in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Bonn, gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

 



Kafka. Beckett. TKKG.

Ein Plädoyer für mehr „U“ im „E“



Beginnen wir mit einer Anekdote, so landen wir gleich in der leichten Unterhaltung  – genau da wollen wir ja hin[1]: Eine Lesung aus meinem ersten Buch „Ein schönes Leben“ (eine Sammlung ausgesprochen ernster Erzählungen) werde ich nie vergessen. An sich waren die Voraussetzungen gar nicht schlecht, ich hatte mit mindestens zehn Gästen gerechnet (was ein guter Schnitt gewesen wäre angesichts der zu erwartenden Schwere des Abends), die Veranstaltung fand nämlich in meiner Heimatregion statt, die Lokalpresse hatte berichtet, der Eintritt bewegte sich im niedrigen einstelligen Bereich und die kleine Gemeindebücherei hatte die Stühle so geschickt im Verhältnis zueinander aufgestellt, dass mir auch ein Publikum von fünf Leuten so vorgekommen wäre wie eine schier unzählbare Menschenmasse. Doch dann zog eine Stunde vor der Veranstaltung ein Unwetter auf, binnen Minuten hatte der Landregen die Gegend im Griff. Letztlich erschienen zur Veranstaltung eine Frau von der Zeitung, zwei Mitarbeiterinnen der Bibliothek und eine Mutter mit ihrer Tochter. Eine der beiden Büchereimitarbeiterinnen war schon kurz nach der Anmoderation gegangen, ihr Hund hatte panische Angst vor Gewitter und war allein daheim, nach einer halben Geschichte aus dem Buch verschwand die Frau von der Zeitung freundlich winkend zum nächsten Termin, und dann meldete sich noch die Mutter im Publikum zaghaft zu Wort und teilte mit: Es tut mir leid, aber meiner Tochter ist wahnsinnig schlecht, wir müssen los. 


[1]   Die Fußnoten in diesem Text dienen zumeist lediglich dazu, ihn auf den ersten Blick auch für das Publikum attraktiv zu machen, welches das „E“ dem „U“ vorzieht und schon ganz erschrocken ist, wenn das Leichte allzu plötzlich ins Spiel kommt.



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Martin Becker, Foto: Marina Kinski


Martin Becker, geboren 1982 in Plettenberg, macht Radio, schreibt Bücher, mag Hunde. Arbeit als Autor, Kritiker und Regisseur. Hörspiele, Features und Reportagen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, unter anderem für den WDR, NDR, SWR und den Deutschlandfunk. Hat bislang vier Bücher veröffentlicht. Zuletzt: Gebrauchsanweisung für Prag und Tschechien (Piper Verlag, 2016) und Marschmusik (Luchterhand Literaturverlag, 2017). Im Frühjahr 2019 erscheint Warten auf Kafka. Eine literarische Seelenkunde Tschechiens (Luchterhand Literaturverlag). Martin Becker hat in Leipzig und Prag gelebt und wohnt mittlerweile in Köln.




Irritierende Fiktionen

Die Konstruktion des Authentischen und die Klippen von Indiskretion und Infamie



Seit einiger Zeit frage ich mich, was ich da eigentlich seit fünfzehn Jahren mit diesen fiktionalen Texten mache. Ich war mir sicher, dass ich immer etwas Neues machte. Aber recht besehen habe ich wohl einen Hang, Fiktionen zu schaffen, die sich nicht einfach damit begnügen, fiktional zu sein, sondern die ihre Fiktionalität auch zum Thema machen – und dabei offenbar irritieren. Damals begann ich mit den ersten Arbeiten an Heimaturlaub, einem Roman, der im Kriegsjahr 1944 in der Kleinstadt meiner Kindheit und Jugend spielt und sich tatsächlich aus dem Personenfundus meiner Familie bedient, mit Echtnamen.

Es geht also um den Tatbestand des Historischen und im weiteren Sinne Biographischen. Ich schreibe stark autobiographisch, nur eben nicht über mich, sondern über Personen und Zeiten, die oft nicht meine Zeitgenossen und Lebzeiten sind. Das hat Leser irritiert, die diese Zeiten miterlebt haben und eine gewisse Augenzeugenschaft für sich beanspruchen. Sind die Erinnerungen der anderen auch meine Erinnerungen? – Ja, aber ich arbeite in meinen Texten mit ausgiebigen Recherchen, um eine Nähe wie zu mir selbst zu ermöglichen.

Die entstehenden Fiktionen irritieren auch deshalb, weil mein Schreibfluss an Klippen entlangführt, die gefährlich werden können: Indiskretion und Infamie. Im Folgenden möchte ich kurz umreißen, was mir und selbst einem ungleich bedeutenderen Kollegen bei einem solchen Schreiben passiert ist und warum diese Form fiktionalen Schreibens so irritierend, ja fatal sein kann. Für mich irritierend war, dass ich zahlreichen Fragen an meine eigene Arbeit gegenüberstand, auf die ich nun, nach dem intensiven klösterlichen Austausch mit Kollegen, Antworten gefunden habe, eindeutige Antworten … irritierend!



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Joachim Geil, Foto: Anita Schiffer-Fuchs


Joachim Geil, geboren 1970, lebt und arbeitet als Schriftsteller und freier Lektor in Köln. Er hat Kurzgeschichten, zahlreiche Essays zur Kunst und eine Künstler-Monografie veröffentlicht. Seine Romane Heimaturlaub (2010), Tischlers Auftritt (2012) und Ruhe auf der Flucht (2016) erschienen im Steidl Verlag Göttingen und bilden die lockere „Trilogie von Vergeblichkeit und Vergebung“. 2011 erhielt Joachim Geil den Georg-K.-Glaser-Förderpreis, 2013 den Pfalzpreis für Literatur. Derzeit arbeitet er an dem Erzählprojekt Angespannt über die Verführbarkeit eines Dichters durch Hass und Gewalt, bei dem er mit einem Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW und dem Dieter-Wellershoff-Stipendium der Stadt Köln unterstützt wird.




Sieben Schwierigkeiten und einer der immer schmaler werdenden Pfade



1 Die Geschichte mit der Herkunft


1.1

Bin dafür, dass wir alle Leute mit reichen Eltern ein Jahr lang keine Romane veröffentlichen lassen und dann noch mal schauen, wie der Buchmarkt aussieht.

Tweet von Matthias Warkus, 12. Juni 2018, 352 „Gefällt mir“- Angaben, 52 Retweets.


1.2

Man kann niemandem seine Herkunft vorwerfen.

Herkunft ist kein Kriterium literarischer Qualität.


1.3

Literatur entsteht hauptsächlich in einer bildungsbürgerlichen Mitte, und das wird weiterhin so bleiben.


1.4

Autoren, die eine andere soziale Klasse als die ihrer Herkunft beschreiben, kennen sie häufig aus eigener Anschauung.


1.4.1

Autoren wie Hans Fallada oder später Jörg Fauser stammen aus Elternhäusern, in denen Bildung vermittelt wurde. Es war ihre Drogensucht, die dazu geführt hat, dass sie sich in anderen Milieus bewegt und darüber geschrieben haben.


1.4.2

Ralf Rothmann stammt aus dem Arbeitermilieu, über das er viel geschrieben hat. Er ist einer der wenigen Autoren der letzten 100 Jahre, die aus dieser Schicht kamen und anerkannte Schriftsteller wurden, ohne dass ihnen der Nimbus des Proletenhaften, des Hofnarren, des Anrüchigen anhaftete.

Autoren, die aufgrund von Tätowierungen, Hilfsarbeiten oder Hartz-IV-Vergangenheit als Repräsentanten einer anderen Welt gelten, aber eigentlich aus Elternhäusern mit Bibliotheken stammen, halten wir uns immer wieder mal.

(„Wir“ meint in diesem Text nicht eine Gruppe von Personen, sondern Strukturen eines Betriebs, unabhängig davon, wer sie gerade am Leben hält oder gegen sie ankämpft.)

Vielleicht ist es ein Art Sidney-Poitier-Effekt. Man kann einem Schwarzen einen Oscar geben, um zu zeigen, dass man das ja auch tut. Und den Rest ignorieren.



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Selim Oezdogan, Foto: Tim Bruening


Selim Özdogan wuchs in den 1970er und 1980er Jahren als Kind türkischer Eltern in einer besonders privilegierten Situation auf: Überall wurde er wegen seiner Herkunft bevorzugt. Seine Mitschüler schenkten ihm ihre Pausenbrote, beim Bäcker wurde er stets vorgelassen und seine Lehrer tadelten ihn besonders sanft, wenn er den Unterricht störte – eine Jugend mit dem Kopf im Nektarkelch des Lebens. Da so alles zu einfach war, begann er zu schreiben. 1995 erschien sein erster Roman Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist - die wahrscheinlich ehrlichste und schonungsloseste Break-up-Novel der jüngeren deutschen Literatur. Seitdem sind zahlreiche Romane, Erzählungen, Hörbücher erschienen. Mit den Literaturpreisen war es ähnlich wie mit den Pausenbroten.




Auf dem Weg zu einer Poetik der Biographie



Biographien lösen wunderlich gegensätzliche Reaktionen aus. Das Publikum liebt sie und kann in und außerhalb von Gedenkjahren nicht genug von Martin Luther oder Maria Callas, von Richard Wagner oder Nelson Mandela bekommen. Buchhandel und Verlage schätzen die Gattung daher gleichermaßen. Betreten verfolgen dagegen seit rund einhundert Jahren die Geistes- und Sozialwissenschaften den Erfolg von Biographien. »Wer Biograph wird, verpflichtet sich zur Lüge, zur Verheimlichung, Heuchelei, Schönfärberei und selbst zur Verhehlung seines Unverständnisses, denn die biographische Wahrheit ist nicht zu haben, und wenn man sie hätte, wäre sie nicht zu gebrauchen«,[i] schrieb Sigmund Freud Arnold Zweig. Er musste es wissen, legte er doch selbst eine biographische Skizze von Leonardo da Vinci vor (1910). Siegfried Kracauer rechnete mit der »Biographie als neubürgerlicher Kunstform« (1930) schonungslos ab. Er diagnostizierte den begeisterten Lesern der Biographien von Emil Ludwig und Stefan Zweig illusionären, ja reaktionären Selbstbetrug. »Die Biographie [...] ist ein Zeichen der Flucht; genauer: der Ausflucht.«[ii] Nach den Erschütterungen des Ersten Weltkriegs, den tiefgreifenden politischen, gesellschaftlichen und technischen Veränderungen der Moderne gebe es gar kein Individuum mehr im Sinne eines autonom handelnden Subjekts, dessen Leben geschlossen und sinnvoll darstellbar sei. Während der Roman diese Krise durch neue Formen des Erzählens reflektiere, lullten Biographien die Leser in eine heile Welt, in der Helden fern aller Realität ihr Schicksal selbst gestalteten (von Heldinnen ist erst gar keine Rede). Solche theoretischen Überzeugungen hinderten Kracauer freilich nicht, eine Biographie von Jacques Offenbach (1937) zu verfassen, als er im Exil Geld brauchte. Angewidert ob solcher Anbiederei an das Publikum rieb Adorno in seinem Verriss[iii] Kracauer genüsslich den Totenzettel unter die Nase, den er der Gattung in theoretisch rüstigeren Tagen ausgestellt hatte. Die Biographie gilt seither als mindere Textsorte, als Ausdruck einer trivialen Sehnsucht nach sinnvollen Lebensläufen. Indem Biographen ein Leben als etwas Ganzes schilderten, chronologisch und logisch, konsistent und konstant, erzeugen sie nach Bourdieu nur eine »rhetorische Illusion«, eine »artifizielle Kreation von Sinn«.[iv]

Als unwürdiger Forschungsgegenstand wurde die Biographik von der Literaturwissenschaft weitgehend ignoriert. Die Gattung gilt als hässlicher Zwitter, unentschieden zwischen den Polen Wissenschaft und Kunst. Ob Biographien bei der Belletristik einzuordnen sind oder bei der Forschung, ob sie der Primär- oder der Sekundärliteratur angehören, ist umstritten. Die »Biographie ist eine leutselige Gattung, die es mit ihren begrifflichen Prämissen nicht allzu genau nimmt«, meint Sigrid Löffler. »Sie bewegt sich nach wie vor ungeniert innerhalb der narrativen Konventionen des realistischen Romans des 19. Jahrhunderts und sie scheint auch ohne Poetik glänzend auszukommen.«[v] Der Befund erinnert an die Fassungslosigkeit, mit der die literarische Kritik den Siegeszug des Romans im 18. Jahrhundert begleitete, der ebenfalls als mindere, ungefügte Gattung galt, der es insbesondere an einer Poetik ermangele.



[i] Sigmund Freud an Arnold Zweig, 31. Mai 1936. In: Ernst Freud (Hg.): Sigmund Freud − Arnold Zweig. Briefwechsel. Frankfurt a. M. 1968, S. 137.

[ii] Kracauer, Siegfried [1930] 1990: »Die Biographie als neubürgerliche Kunstform«. Inka Müdler-Bach (Hg.): Siegfried Kracauer Schriften. Bd. 5.2: Aufsätze 1927−1931. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 195-199, hier S. 197.

[iii] Adorno, Theodor W. [1937] 2003: »Siegfried Kracauer, Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit« [Rez.]. Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno. Gesammelte Schriften. Bd. 19: Musikalische Schriften IV. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 363-365.

[iv] Bourdieu, Pierre [1986] 1990: »Die biographische Illusion«. In:  Bios. Zeitschrift für Biographieforschung 1, S. 75-81, hier S. 76.

[v] Löffler, Sigrid 2001: »Biografie. Ein Spiel. Warum Engländer Weltmeister in einem so populären wie verrufenen Genre sind«. In:  Literaturen. Das Journal für Bücher und Themen Heft 7/8, S. 14-17, hier S. 15.



Weitere erwähnte Werke:


Bell, Quentin 1972: Virginia Woolf. A biography. London: Hogarth. Dt.: Virginia Woolf. Eine Biographie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1982.

Brinnin, John Malcolm 1959: The third rose: Gertrude Stein and her world. Boston and Toronto: Little, Brown and Company.

Kracauer, Siegfried [1937] 1976: Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit. Karsten Witte (Hg.): Siegfried Kracauer Schriften Bd. 8. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Kühn, Dieter: Frau Merian! Eine Lebensgeschichte. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2002.

Steidele, Angela 2004: In Männerkleidern. Das verwegene Leben der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, hingerichtet 1721. Köln: Böhlau.

Steidele, Angela 2010: Geschichte einer Liebe. Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens. Berlin: Insel.

Steidele Angela 2017: Anne Lister. Eine erotische Biographie. Berlin: Matthes und Seitz.

Steidele Angela 2018: Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg. Berlin: Matthes und Seitz.

Steidele Angela 2019: Poetik der Biographie. Berlin: Matthes und Seitz.

Woolf, Virginia 1928: Orlando. A biography. London: Hogarth. Dt.: Orlando. Eine Biographie. Frankfurt a. M.: Fischer, 1977.



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Angela Steidele, Foto: Ben Chislett


Angela Steidele, geboren 1968, erforscht und erzählt historische Liebesgeschichten. Sie veröffentlichte u. a. In Männerkleidern. Das verwegene Leben der Catharina Linck alias Anastasius Rosenstengel, hingerichtet 1721 (2004), Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens (2010) und den Roman Rosenstengel. Ein Manuskript aus dem Umfeld Ludwigs II. (2015). Anne Lister. Eine erotische Biographie (2017) bildet zusammen mit Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg (2018) und mit einer Poetik der Biographie (2019) Angela Steideles Trilogie zu biographischem Schreiben. Die Autorin wurde mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt in Köln.




Der Raum im Roman ist ein Miterzähler

 


0 Im Roman ist der Ort ein Raum


Ein Viertel ist ein Ort und ein Raum. Während Ort ein fixer, klar umgrenzter Punkt zu sein scheint, ist der Raum als dreidimensionales Gebilde zu betrachten und schwer fassbar. Aber auch der Begriff Ort reicht nicht aus, um örtliche Tatsächlichkeiten zu erfassen – der Ort unterliegt dem Wandel und der Ort wandelt, was sich in ihm bewegt oder was in ihm bleibt, und der Ort verwandelt sich in einen Raum, im Roman ist der Ort ein Raum.


1 Fragen


Ein Ort ist als solcher erkennbar, wenn er Grenzen hat. Aber wo fangen die Grenzen in einer Stadt an? Nicht die Grenzen der Städteplaner oder der Politik, sondern die Grenzen in der Wahrnehmung eines Ortes? Wann wird ein Ort zu einem Ort? Wie viele Häuser, wie viele Geschäfte, Straßen, Bushaltestellen und Menschen definieren einen Ort? Wer hat Gestaltungsmacht und wer hat Macht, unsere Wahrnehmung von einem Ort zu formen? Wer hat Macht zu entscheiden, welche Eigenschaften zu einem Ort gehören und welche nicht? Können Menschen sich an einem falschen Ort befinden? Was macht die Falschheit eines Ortes aus und was ist ein richtiger Ort?



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Karosh Taha, Foto: Havin Al-Sindy


Karosh Taha wurde 1987 in der kurdischen Kleinstadt Zaxo geboren. Seit 1997 lebt und arbeitet sie im Ruhrgebiet. Sie hat an der Universität Duisburg-Essen sowie in Kansas/USA Anglistik und Geschichte auf Lehramt studiert. Während des Studiums wurde sie mit einem Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert. Für ihr Werk erhält Karosh Taha 2018 den Förderpreis des Landes NRW. Ihr Debütroman erschien unter dem Titel Beschreibung einer Krabbenwanderung im März 2018 beim DuMont Buchverlag.




Emanzipatorische Literatur in Zeiten von #MeToo

 


Innerhalb des literarischen Diskurses wurde im vergangenen Jahr ein Gedicht von Eugen Gomringer zum Auslöser einer mittlerweile einschlägigen Debatte, das auf den ersten Blick vor allem durch seine Harmlosigkeit auffällt. [1] Die Diskussionen um den sexistischen Gehalt des Gedicht Avenidas des mittlerweile 93-jährigen Poeten, das Anfang diesen Jahres von einer der Hausfassade der Berliner Alice-Salomon-Hochschule nach Sexismus-Vorwürfen aus der StudentInnenschaft entfernt worden ist, zeigt vor allem, wie überfällig eine Diskussion um die Achtsamkeit bezüglich des emanzipatorischen beziehungsweise antiemanzipatorischen Gehalts von Literatur ist. [2]


Da man bereits alle wichtigen Positionen und Aussagen zu besagtem Diskurs im Netz bestens dokumentiert findet, [3] möchte ich an dieser Stelle auf eine Gedichtinterpretation und Analyse seines sexistischen Gehalts verzichten, also zum Beispiel des angeprangerten „männlichen Blicks“ oder der Verdinglichung der Frau, die hier mit Alleen und Blumen in eine Reihe gestellt wird. [4] Stattdessen möchte ich einen Seitenblick auf den ästhetischen Gehalt des Gedichts werfen, der vor allem im spanischen Original sichtbar wird: Klanglich sind es die Auslaute der Substantive auf „es“ und „as“, die durch das Gedicht leiten, weiterhin fällt vor allem der Zeilenumbruch am Ende des Gedichts auf, der zu einem rhythmischen Wechsel führt und dadurch den admirador, den Bewunderer, ähnlich wie im Haiku, aus der inhaltlich (nicht nur) aus emanzipatorischer Sicht nicht zwangsläufig zueinander gehörenden Reihung von Alleen, Blumen und Frauen heraushebt. Dies ist als formales Element durchaus ansprechend, inhaltlich jedoch mag zurecht befremden, zumal dieser Wechsel umkommentiert bleibt. Das Gedicht versäumt es dezidiert, irgendeine ironische Brechung wie eine Thematisierung der Perspektiven oder ein selbstreflexives Moment anzubringen.

Kurz gesagt, kann man also, will man das Gedicht verteidigen, durchaus mit der Schönheit der Sprache argumentieren, die hier ihre Anwendung findet. Wenn man sich fragt, ob Gomringers Gedicht etwas Entscheidendes versäumt, kommt es deswegen sehr auf die Frage an, was Literatur kann und soll.



[1] avenidas / avenidas y flores / flores / flores y mujeres / avenidas / avenidas y mujeres / avenidas y flores y mujeres y/ un admirador . In der deutschen Übersetzung: Alleen  / Alleen und Blumen /Blumen /Blumen und Frauen  / Alleen /Alleen und Frauen /Alleen und Blumen und Frauen und  /ein  Bewunderer

[2] Gomringer selbst äußerte sich nach der Entfernung des Gedichts folgendermaßen: "Mir kommt es vor wie der Vorgang einer Säuberung. Da wird etwas weggesäubert durch eine andere Ideologie, die das verdrängen soll. Und darüber muss man reden, ob das gerechtfertigt ist."

[3] Vgl. z.B. https://www.deutschlandfunk.de/oeffentliche-diskussion-um-angeblich-sexistisches-gedicht.691.de.html?dram:article_id=414092 https://www.deutschlandfunkkultur.de/streit-um-gomringer-gedicht-auf-uni-fassade-die-alleen.2165.de.html?dram:article_id=409035 http://www.sueddeutsche.de/kultur/metoo-jeder-fuer-sich-1.3968060 https://www.youtube.com/watch?v=CgFGTXKRuhQ https://www.deutschlandfunk.de/philosophin-svenja-flasspoehler-zu-metoo-ein-straeflich.700.de.html?dram:article_id=417397 https://www.zeit.de/2018/19/metoo-bewegung-svenja-flasspoehler-kritik

[4] Der Asta der Salomon Hochschule schrieb in einem offenen Brief: "Dieses Gedicht reproduziert nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren, es erinnert zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind.“



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Julia Trompeter, Foto: Heike Bogenberger


Julia Trompeter wurde 1980 in Siegburg geboren. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Klassische Literaturwissenschaft in Köln und promovierte in Berlin und Bochum. Seit 2009 tritt sie in dem performativen Projekt Sprechduette zusammen mit Xaver Römer auf. 2010 war sie Finalistin des open mike, 2012 erhielt sie das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln, 2013 für ihren Debütroman eine Förderung der Kunststiftung NRW und 2014 den Förderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen und Künstler.